Facebook und Cambridge Analytica – Trump-Berater spähten illegal Nutzer aus, Facebook in der Kriese!


Facebook steckt in einer sich anbahnenden, schweren Kriese. Die Firma Cambridge Analytica spähte 50 Millionen Facebook-Profile aus, erstellte Psychogramme und soll diese später im Trump-Wahlkampf genutzt haben. Umfassende Informationen über die aktuelle Entwicklung.

Dieser Fall könnte für Facebook wie kein Zweiter zu einer ernst­haften Bedrohung werden. Dank des Whist­leb­lowers Chris­topher Wylie wurde bekannt, dass die Firma Cam­bridge Ana­lytica sich uner­laubt Zugriff auf über 50 Mil­lionen Facebook-Accounts ver­schafft habe, um die pri­vaten Daten später als Software für Donald Trumps Wahl­kampf 2016 zu benutzen. Whist­leb­lower Wylie arbeitete bis spät in das Jahr 2014 bei der Firma.

So hat sich Cam­bridge Ana­lytica laut Wylie die Unter­stützung eines Hedge­fonds-Mil­li­ardärs und Repu­bli­kaner-Freundes, sowie von Stephen Bannon gesi­chert. Danach schafften sie Zugang zu den Mil­lionen an Facebook-Pro­filen, um die „inneren Dämonen ins Visier zu nehmen”, so Wylie. An die Daten sei die Firma durch die App „thi­si­syour­di­gi­tallife” her­an­ge­kommen. Diese wurde von dem Aka­de­miker Alek­sandr Kogan an der Cam­bridge-Uni­ver­sität ent­wi­ckelt.

Über die App befragte Kogans Firma ab Juni 2014 etwa 270.000 wahl­be­rech­tigte US-Ame­ri­ka­ner_innen. Die bezahlten Per­sön­lich­keits­tests sollten lediglich für aka­de­mische For­schungs­zwecke genutzt werden. Doch die Teil­nehmer wussten nicht, dass die App auch die Daten all ihrer Facebook-Freunde sam­melte. Dadurch konnte Kogans Firma sich Zugriff auf 50 Mil­lionen Facebook-Profile ver­schaffen.

Aus diesen 50 Mil­lionen Pro­filen wurden rund 30 Mil­lionen Psy­cho­gramme erstellt, die anderen Accounts gaben nicht genug her. Dabei ori­en­tierte man sich an der Rasse, dem Geschlecht, der sexu­ellen Ori­en­tierung, sogar einem geschätzten IQ und einen mög­lichen Kind­heits­traumata. Dazu habe man mit der Software Rück­schlüsse auf die poli­tische Ein­stellung mit zahl­reichen cha­rak­ter­lichen Eigen­schaften gemacht. Dies sollte dazu dienen, besonders ziel­grup­pen­ori­en­tierte Werbung zu schalten.

In 2016 wurde Cam­bridge Ana­lytica von Trumps Wahl­kampfteam als Berater ange­heuert. Dafür zahlten Trumps Leute laut Unter­lagen über 6,2 Mil­li­arden Dollar. Hier sollen die Daten dann für die Wahl­kampf­werbung bewusst ein­ge­setzt worden sein. Inzwi­schen gab Facebook jedoch bekannt, dass sie Cam­bridge Ana­lytica und die Mut­ter­firma Stra­tegic Com­mu­ni­cation Labo­ra­tories von der sozialen Plattform aus­ge­schlossen haben. Zwar ver­ur­teile das Unter­nehmen das Vor­gehen der Firma, spricht jedoch selbst nicht von einem Leck.

Wie­derum ein Sprecher der Cam­bridge Ana­lytica klärte auf, man habe mit der Global Science Research einen Vertrag abge­schlossen, welchem zufolge nur Infor­ma­tionen geliefert werden durften, die nicht gegen die Daten­schutz­be­stim­mungen ver­stoßen. Alle Daten, die man deshalb von Global Science Research erhielt, sollen nun gelöscht worden sein. Doch Unter­su­chungen wurden bereits ein­ge­leitet, auch gegen Facebook, für die es nun eng wird.

Whist­leb­lower Chris­topher Wylie via Twitter


Wir wurden belogen und betrogen”

Am 18. März wurde der Whist­leb­lower Chris­topher Wylie von allen Platt­formen, die Facebook nebenbei betreibt, geblockt, wie er selbst auf Twitter erzählte. Begründet wurde die Sperrung durch seine mut­maß­liche Mit­ver­ant­wortung in dem ille­galen Abgreifen von 50 Mil­lionen Facebook-Pro­filen. Facebook hat nach dem Bekannt­werden der Ermitt­lungen wei­terhin mit­ge­teilt, dass man „aus­ge­trickst und belogen worden sei”. Die Ver­ant­wortung sehe man nicht bei sich. Dazu seien bei den 50 Mil­lionen Pro­filen nur bei den wenigsten wich­tigen Infor­ma­tionen zugänglich gewesen.

Auch Kogan, dem Ent­wickler der App, werfen sie vor, Facebook betrogen zu haben. Er habe den guten Glauben der Nutzer miss­braucht, um illegal Daten zu beschaffen und zu ver­kaufen. 2015 bekam Facebook wohl bereits mit, dass Kogan Daten an die Cam­bridge Ana­lytica wei­ter­ge­geben hat. Man ver­lange eine Zusi­cherung, dass alle Daten gelöscht worden sein, wobei man eben­falls belogen wurde.

Belege, dass die Daten der Cam­bridge Ana­lytica tat­sächlich eine Aus­wirkung hatten, gibt es derzeit noch nicht. Das Unter­nehmen ver­teidigt indes seine Arbeit, die Daten wären nie für den Einsatz im Wahl­kampf genutzt worden sein. Die Ver­ant­wortung soll eine andere mit­be­tei­ligte Firma tragen. Aktuell koope­riere man mit Facebook, um die Vor­würfe zu ent­kräften. Man ver­sucht sie sogar so weit zu rela­ti­vieren mit der Aussage, dass man wie das Obama-Wahl­kampfteam 2012 auf einen starken, digi­talen Wahl­kampf setzt. Der damalige Leiter vom Obama-Team ant­wortete prompt auf Twitter, man selbst habe immerhin nicht „private Daten von Facebook gestohlen”.

Facebook schadet die Debatte aktuell sehr. Am Montag, dem 19.03.2018, verlor das Unter­nehmen zum Bör­sen­start über sechs Prozent an Wert. Nach kurzer Erholung befindet sich die Aktie dato wei­terhin im Fall. Dazu steigt der poli­tische Druck für Facebook immens. Bereits vor einigen Monaten mussten sich Facebook, Twitter und Google meh­reren Anhö­rungen in Washington DC stellen. Man ver­suchte die Frage zu klären, ob die Inter­ne­triesen ver­sagten, eine rus­sische Ein­fluss­nahme auf den US-Wahl­kampf zu ver­hindern. Schon damals gestand Facebook einige Ver­säum­nisse ein.

Nun könnten extrem strenge Regu­lie­rungen für Facebook und weitere Kon­zerne folgen, da, so die Sena­torin Amy Klo­buchar von den Demo­kraten, sie sich selbst nicht regu­lieren könnten. Eben­falls sagt der demo­kra­tische Senator Mark Werner, dass dies „ein weiter Beweis dafür ist, dass es bei poli­ti­schen Anzeigen zugeht wie im Wilden Westen”. Man muss mehr Trans­parenz durch das Regu­lieren her­stellen, so die For­de­rungen. Dazu muss man Nutzer besser vor fal­schen News schützen, damit diese nicht in die Irre geführt werden.

Facebook drohen eben­falls emp­find­liche Geld­strafen, wie die Washington Post berichtet. Wie hoch die Strafen aus­fallen könnten, kann nur geschätzt werden. Mehrere Mil­lionen oder Mil­li­arden, alles ist möglich. Weiter kündigt die EU-Jus­tiz­kom­mis­sarin Vera Jourova das Thema auf ihre Agenda der anste­henden USA-Reise. Sie plane Gespräche mit der US-Regierung und Facebook. Den Daten­miss­brauch nannte sie in einem Statement „inak­zep­tabel”.

dpa

Written by: Max Flor

Max Flor ist der Gründer und Chief Editor von GameBreaking.de Seit über zwei Jahren ist er aktiver Games-Journalist und hat mit GameBreaking sein eigenes Konzept ins Leben gerufen und versucht, die Idee hinter dem Games-Journalismus neu zu entwerfen. Das "Wir" ist stärker als ein "ich".

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